Tag-Archiv für » Comeback «

„Es war großartig, endlich wieder zu springen“

Montag, 18. Februar 2008 19:44

Arztpraxen, OP-Säle, Reha-Maßnahmen: Nach drei komplizierten Operationen, bei denen ein Geschwulst am Schienbein entfernt wurde, und dreieinhalb Jahren Pause ist Sophie Krauel zurück auf der großen Leichtathletik-Bühne. Die zweifache Junioren-Europameisterin 2003 (Weitsprung und 100 Meter Hürden) feierte ein beeindruckendes Comeback. Mit 6,49 Metern hat die 22 Jahre alte Athletin 2008 vom TuS Jena schon mehr erreicht, als sie selbst erwartet hatte. Im Interview erzählt die Deutsche Hallenmeisterin 2004 (Bestleistung 6,62 Meter), was sie sich für die Deutschen Meisterschaften in Sindelfingen (23. und Februar) vorgenommen hat und wie sie die dreieinhalb Jahre währende Wettkampfpause gemeistert hat.

Frau Krauel, erinnern Sie sich noch an den 17. Juli 2004?
Ja. Das war der Tag des Weitsprungfinals der Junioren-WM in Grosseto. Mit 6,47 Metern bin ich Zweite geworden.

Und es war Ihr letzter Wettkampf für 1267 Tage. Was haben Sie gefühlt, an was haben Sie gedacht, als Sie am 5. Januar 2008 erstmals wieder starten konnten?
Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Meine Gefühle waren bunt gemischt. Ich war sehr aufgeregt, habe mich natürlich gleichzeitig riesig gefreut. Die lange „Abstinenz“ hat diese Situation aber auch irgendwie unwirklich erscheinen lassen. Natürlich hatte ich auch ein wenig Angst, dass ich mich blamieren und völlig unter Wert verkaufen würde – besonders, da es in den Trainingseinheiten zuvor nicht so gut lief. Aber das war ja nicht der Fall. So war es ein toller Wettkampf.
Haben Sie in den vergangenen dreieinhalb Jahren nie ans Aufhören gedacht. Schließlich haben Sie mit Ihrem Pharmazie-Studium genug zu tun?
Das stimmt allerdings. Das Studium ist unglaublich zeitintensiv, und so kam es mir fast „gelegen“, dass ich zu Beginn des Studiums etwas mehr Zeit hatte, um mich „warmzulaufen“. Aber nur fast: Denn die dreieinhalb Jahre waren auch sehr schwierig. Ich habe nicht nur einmal daran gedacht, alles an den Nagel zu hängen. Es gab viele Momente, in denen die Hoffnung einfach versiegt war, und ich nicht mehr an eine Rückkehr geglaubt habe.

Woher nahmen Sie diese Kraft und diesen unbändigen Willen, um zurückzukehren?
Zum einen aus der Freude am Leistungssport. Es war ein großartiges Gefühl, als ich das erste Mal wieder gesprintet bin, Hürden überquert habe oder in eine Grube springen konnte. Ich habe auch versucht, bei vielen Wettkämpfen zuzuschauen, denn das hat mir immer einen „Kick“ gegeben und mir gezeigt, wo ich wieder hin will. Zum anderen haben so viele Menschen an mich geglaubt. Der DLV hat mich immer wieder in einen Kader berufen, mein Sponsor Burg-Wächter und mein Ausrüster Adidas haben die ganzen schweren Jahre zu mir gehalten, mein Trainer Stefan Poser hat mir immer wieder versichert, dass ich es wieder schaffen kann. Und nicht zuletzt meine Familie, meine Freunde und mein Freund standen die ganze Zeit über hinter mir. Das machte Mut!

Die Hallen-DM wird Ihr erster Auftritt auf der großen Leichtathletik-Bühne seit langer Zeit. Wie sieht Ihre Zielsetzung für Sindelfingen aus?
Ich möchte gern an meine 6,49 Meter aus Chemnitz anknüpfen und wieder in den Bereich 6,40 Meter bis 6,50 Meter springen. Und hoffentlich erwische ich mal mehr als einen gültigen Sprung.

Mit 6,49 Meter rangieren Sie auf Platz drei der Bestenliste. Nur die Berlinerin Melanie Bauschke (6,56 Meter) und die Rehlingerin Bianca Kappler (6,50 Meter) sprangen 2008 weiter. Ist da nicht sogar eine Medaille drin?
Eine Medaille wäre natürlich großartig, aber man muss erst einmal wieder an seine Leistung herankommen und es gibt noch andere Athletinnen wie die Siebenkämpferinnen um Claudia Tonn, die in diesen Bereich springen können. Es ist ein sehr starkes Feld. Das macht den Wettkampf spannend.

Einschließlich Sindelfingen werden Sie nur vier Wettkämpfe in diesem Winter bestreiten. Nehmen Sie und Ihr Trainer Stefan Poser damit Rücksicht auf Ihre lange Verletzung?
Aufgrund der Verletzung und auch der Studienbelastung sind wir sehr vorsichtig in die Vorbereitungsphase gegangen. Ich habe auf Sparflamme trainiert und habe noch nicht die Kraft und die Ausdauer, sechs oder acht Wettkämpfe durchzustehen. Außerdem merke ich auch, dass im Maximalbereich immer mal wieder kleine Belastungsbeschwerden auftreten. Es ist wichtig, dass ich nach jedem Wettkampf eine ausreichende Erholungszeit einhalte. Deswegen sind die vier Wettkämpfe völlig ausreichend. Ich hatte nach den ersten richtigen Sprüngen einen brutalen Muskelkater. Da springt man freiwillig nicht am nächsten Tag wieder.

Sind denn im Sommer mehr Starts geplant, vielleicht auch im Hürdensprint?
Auch den Sommer wollen wir ruhig angehen. Über die Hürden werde ich aber nicht starten, obwohl es mich schon sehr reizt. Die 100 Meter Hürden sind – so komisch es sich anhören mag – einfach noch zu lang. Aber ich hoffe, dass ich in der nächsten Hallensaison wieder über die Hürden starte.

Die magischen Weitsprung-Ziffern für 2008 lauten 6 – 7 – 2. Für die Teilnahme an den Olympischen Spielen verlangt der DLV 6,72 Meter. Spukt Peking in Ihrem Kopf herum. Oder ist das nach der langen Pause noch zu früh?
Natürlich, besonders da ich ja oft danach gefragt werde. Aber ich denke, dass ich realistisch bleiben muss. 1267 Tage Verletzung kann man nicht von heute auf morgen kompensieren. Ich möchte eine gute Saison bestreiten und konstante Leistungen bringen. Wenn sich natürlich andeutet, dass ich zwischen 6,60 und 6,70 Meter springen kann, werde ich auch alles versuchen die, Norm zu schaffen. Die Olympischen Spiele sind halt der Traum jedes Sportlers.

Thema: News | Kommentare (0) | Autor: admin

Nach 1267 Tagen zurück! 6,11 Meter in Chemnitz

Samstag, 5. Januar 2008 19:47

Sophie Krauel ist zurück! 1267 Tage nach ihrem letzten Wettkampf – Silber bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Grosseto am 17. Juli 2004 – schnürte die 22-Jährige vom TuS Jena am Samstag erstmals wieder die Weitsprung-Spikes. Beim 19. Hallenmeeting des LAC Erdgas Chemnitz landete Krauel mit 6,11 Metern auf Platz zwei. Den Sieg sicherte sich Katharina Naumann (LG Stadtwerke München) mit 6,31 Metern. „Es hat sich toll angefühlt. Es macht einfach Spaß, wieder zu springen und nicht nur auf de Tribüne zu sitzen“, strahlte Krauel.

Von ihrem Comeback in Chemnitz waren nur wenige Personen eingeweiht. Auch der Name Sophie Krauel tauchte im Vorfeld nicht auf der Startliste aus. „Mein Trainer und ich haben mit Absicht ein kleines Sportfest ausgesucht. Es sollte einfach ein Test ohne großes Aufsehen sein. Schließlich sind Training und Wettkampf zwei völlig unterschiedliche Dinge.“ Auch hatte sich die Rückkehrerin keine bestimmte Weite für ihr Comeback vorgenommen. „Ich wollte einfach wieder reinkommen. Aber ich wäre schon enttäuscht gewesen, wenn ich unter sechs Meter geblieben wäre.“
Obwohl sie ohne großen Druck springen konnte, war die Pharmazie-Studentin schon Tage vor dem Start ziemlich nervös. „Mir fehlt ja die ganze Routine. Was nehme ich mit zum Wettkampf? Wie wärme ich mich auf? Wie sind die Abläufe in der Halle? In diesen Sachen bin ich ja quasi wieder ein Neuling“, so Krauel. Damit das nicht so bleibt, plant die 22-Jährige noch weitere Starts in der Hallensaison, mit den Deutschen Meisterschaften in Sindelfingen (23. und 24. Februar) als Höhepunkt.

Wie groß ihr Potenzial ist, deutete die Deutsche Hallenmeisterin von 2004 schon in Chemnitz an. „Die zwei Sprünge auf 6,11 Meter waren eigentlich die schlechtesten. Der erste und der letzte Versuch waren leider ungültig. Aber die haben sich wieder nach Weitsprung angefühlt, während die gültigen Versuche eigentlich nur ein langer Sprint in die Kuhle waren“- analysierte sie. Trotzdem war Krauels Trainer Stefan Poser mit dem Resultat seht zufrieden. „Es war halt ein erstes Ausprobieren. Darum ging es meinem Trainer und nicht um die Weite. Nach meinen Trainingsresultaten weiß ich, dass es in diesem Winter noch weiter gehen wird“, sagte die Jenaerin, die von Familie und Freunden in Chemnitz unterstütz wurde.

Krauel konnte dreieinhalb Jahre nicht starten, da starke Schmerzen im linken Schienbein kein Training und auch keine Wettkämpfe zuließen. Erst nach drei Operationen, bei denen ein Geschwulst entfernt wurde, konnte die Thüringerin vor rund acht Monaten wieder mit einem leichten Aufbautraining beginnen. Seit Oktober steht wieder spezifisches Training auf dem Programm. „Es ist natürlich hart, sich wieder mit kleinen Schritten an die alte Leistungsstärke heranzukämpfen. Aber so langsam komme ich schon wieder an meine alten Werte heran. Nur das Sprunggefühl aus langem Anlauf fehlt mir noch. Ich kann meine Schnelligkeit am Brett einfach noch nicht umsetzen. Aber das soll sich bei den nächsten Wettkämpfen und dann im Sommer stabilisieren“, erklärte Krauel.

Konstant weite Sprünge wie im Jahr 2004, als sie in elf Wettkämpfen neun Mal jenseits der 6,45 Meter landete, erwartet Krauel im Winter allerdings noch nicht. „Dafür reicht das Trainingspensum einfach noch nicht“, gesteht sie offen ein. Schließlich konnte Krauel als Schülerin des Sport-Gymnasiums Jena acht bis neun Mal in der Woche trainieren. Momentan sind es lediglich vier bis fünf Einheiten. Schließlich muss sich ihr Körper erst wieder langsam an die hohen Trainings- und Wettkampfbelastungen gewöhnen. „Nach dem Wettkampf hat mein ganzer Körper wehgetan. Erst nach einigen Minuten ging es besser, so dass ich mich auslaufen konnte“, beschreibt Krauel.

Trotz der langen Verletzungsmisere ließ sich die Weitspringerin nie von ihren Comeback-Plänen abbringen. Zu sehr liebt Krauel den Sport. „Am Anfang bin ich nur von einigen Monaten Pause ausgegangen. Nun sind es mehr als drei Jahre geworden. Viele Menschen haben an meine Rückkehr geglaubt und haben mich unterstützt. Da ist natürlich an erster Stelle mein Trainer Stefan Poser, dann mein Verein und der DLV, der mich wieder in den Kader berufen hat. Aber auch mein Sponsor Burg-Wächter stand die ganze Zeit über zu mir. Besonders Reinhard Lüling und Edgar Itt haben mich immer unterstützt“, blickt Krauel auf die schwierigen vergangenen Jahre zurück.

Die 22-Jährige zählt nun wieder zu den größten Talenten der deutschen Leichtathletik. Krauel wurde 2003 Junioren-Europameisterin im Weitsprung und im Hürdensprint. 2004 gewann sie sensationell mit 18 Jahren die Deutsche Hallen-Meisterschaft bei den Erwachsenen, stellte mit 6,62 Metern ihre Bestleistung auf und startete bei der Hallen-WM in Budapest. Mit ihrem gelungenen Comeback im Chemnitz scheint Sophie Krauels langer Weg zurück in den Leichtathletik-Zirkus erste Früchte zu tragen.

Thema: News | Kommentare (0) | Autor: admin